Vereinsgeschichte
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Vereinsgeschichte

Die Vereinsgeschichte
- ein Blick zurück von Erwin Blätz und Reinhold Höld
anlässlich des 75-jährigen Bestehens im Jahre 1995

 

Musikverein Söflingen / Stadtkapelle Ulm  

Seine Geschichte ist wechselvoll und sein kultureller Wert gerade in unserer so nüchternen, schnell lebenden und industrialisierten Welt aus dem Gemeinwesen nicht mehr wegzudenken. In einem Wunschdenken hat er eigentlich seinen Ursprung. 

Im Oktober 1920 trafen sich 11 junge musikbegeisterte Männer unter der Initiative von Jakob Jakober, Andreas Jakober und Gottlob Bausch zu einer Aussprache. Ziel war es, einen Söflinger Posaunenchor zu gründen. Der damalige Pfarrer der Christusgemeinde Söflingen, Herr Traub, stand allerdings nicht begeistert hinter der Idee, da ja in Ulm bereits ein solcher Chor bestand. 

Als aber eine größere Geldspende für Instrumente und Noten vom Söflinger Fabrikant, Herr Steiger, in Aussicht gestellt wurde, gab Pfarrer Traub seine Zurückhaltung auf und unterstützte die Gründung indem er den Vorsitz übernahm. Somit war der "Posaunenchor Söflingen" aus der Taufe gehoben. Die Ausbildung und musikalische Leitung übernahm Herr Georg Duckeck. 

Am Christmorgen 1920 war bereits der erste Auftritt von sechs Mitgliedern beim Turmblasen von der Christuskirche Söflingen. Im Jahre 1921 beteiligte man sich schon bei einem Festzug mit Fahnenweihe. Auch fand das erste Ständchen zum Heilig Abend auf dem Gemeindeplatz zur Freude der Bürgerschaft statt. 

Hauptaufgabe der jungen Musiker war aber das Turmblasen an Festtagen, sowie die Pflege der Kirchenmusik. In steigendem Umfang wurde auch andere Musikliteratur in den Übungsabenden zum einstudieren aufgelegt. Dadurch wurde es möglich im Jahr 1922 ein öffentliches Konzert im "Lamm" durchzuführen. Ebenso beteiligte sich die Musikvereinigung beim "Schwäbischen Bauerntag" und "Schwäbischen Sängerfest" in Ulm. Auch beim 100-jährigen Jubiläum des "Liederkranz Söflingen" und beim "Landestag der Jungmännervereine" in Friedrichshafen wirkte man mit.Die Weichen neu gestellt wurden im Inflationsjahr 1923. 

Der "Posaunenchor Söflingen" wurde in "Musikkapelle Söflingen" umgewandelt, eine Vereinssatzung aufgestellt und die Möglichkeit geschaffen, auch passive Mitglieder aufzunehmen. Der neuformierte Verein zählte 20 aktive und 157 passive Mitglieder.

Die bis heute zur Tradition gewordene Weihnachtsfeier (heute Jahresfeier) als interne Vereinsveranstaltung nahm im Jahre 1923 im Vereinslokal "Ochsen" ihren Anfang. Zur Zeit der Umbenennung in Musikkapelle Söflingen waren vom , ehemaligen Posaunenchor noch Andreas Jakober, Jakob Jakober, Gottlob Bausch und Georg Duckeck aktiv in der neuen Musikvereinigung tätig und sind somit die Gründungsmitglieder unseres Vereins.

Die Mitglieder entschieden sich 1924 in einer Vollversammlung dem "Süddeutschen Musikerverband" dem heutigen "Blasmusikverband Baden - Württemberg" beizutreten. Im gleichen Jahr beteiligte sich die Kapelle zum ersten mal an einem Wertungsspiel des Bezirksmusikfestes in Klingenstein und erreichte unter Teilnahme von 16 Kapellen einen zweiten Preis. 

Das Jahr 1927 brachte wieder eine Namensänderung von "Musikkapelle Söflingen" in "Musikverein Söflingen". Nach sechs Jahren Dirigententätigkeit von Georg Duckeck übernahm Kapellmeister Adolf Biensch die musikalische Leitung der Kapelle. Die weitere positive Entwicklung führte zur Gründung einer Zöglingsabteilung und zur Beschaffung einer Dienstuniform: Blauer Anzug, weißer Stehkragen mit schwarzem Stehbinder und blauer Schildmütze. Im gleichen Jahr errang die Kapelle beim Bezirksmusikfest in Laichingen einen la Preis in der Oberstufe. Bei der Weihnachtsfeier stellte sich erstmals die neugegründete Streichmusikabteilung der Öffentlichkeit vor. Durch diese Erfolge erhöhte sich im Jahre 1928 die Mitgliederzahl auf 334 und als Höhepunkt war die Teilnahme am "Schwäbischen Liederfest" in Um zu bezeichnen. 

Nach Wegzug des Orchesterleiters Adolf Biensch wurde 1929 Obermusikmeister August von Nessen zum musikalischen Leiter gewählt. Mit Zuversicht und Einsatzbereitschaft gingen nun die Söflinger Musiker ins zweite Jahrzehnt des Bestehens der Kapelle. Die Erfolge blieben dank der guten musikalischen Ausbildung und der Kameradschaft nicht aus. Die Kapelle beteiligte sich an Wertungsspielen und bei Festen in der Vorortgemeinde, sowie in Um und bei befreundeten Vereinen.

Die politischen Ereignisse 1933 und in den folgenden Jahren hatten auch auf den "Musikverein Söflingen" gewissen Einfluss. Die Partei wollte, dass der Verein in einer SA-Formation den Musikdienst übernehmen sollte. Durch einen Mehrheitsbeschluss konnte dies 1933 noch abgelehnt werden. 

Etliche Aktive traten zur PO-Kapelle über, aber in der Folge gesellten sich viele Musiker anderer Kapellen zum Musikverein, wo sie parteipolitisch neutral ihren musikalischen Neigungen nachgehen konnten. So gestärkt kam man 1934 beim Bezirksmusikfest in Rißtissen zu einem beachtlichen musikalischen Erfolg und erreichte in der Kunststufe die höchste Punktzahl. Dabei ging der Wanderpokal - von der Laichinger Leinenindustrie gestiftet - zum dritten mal und endgültig in Söflinger Besitz über. Mit Karl Daur als Dirigent und Ernst Schneider gründete sich die Singgruppe des Vereins, welche mit einem Männerquartett bei der Weihnachtsfeier debütierte.

Mit Karl Daur als Dirigent und Ernst Schneider gründete sich die Singgruppe des Vereins, welche mit einem Männerquartett bei der Weihnachtsfeier debütierte. Dennoch ließ sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Schließlich hatte die Blaskapelle 1938 keine andere Wahl mehr, als sich der Dienstmusik bei der SA Standarte 120 unterzuordnen. Die damalige Vereinsführung konnte bei den Machthabern aber durchsetzen, dass die Kapelle als Orchester des Musikverein Söflingen weiterhin erhalten und der Standartenmusikzug eigener musikalischer Aufsicht unterstellt wurde. Der Zweite Weltkrieg brach aus. Viele aktive Mitglieder wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Stark dezimiert setzten die Aktiven ihre Tätigkeit fort. Während dieser Zeit leitete Andreas Jakober als 1. Vorsitzender auch das Blasorchester und Ernst Schneider stand neben dem Männerquartett auch dem Streichorchester vor.

Die Kriegsjahre brachten viel Leid. Obwohl viele aktive und passive Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen waren, blieb der Zusammenhalt im Verein ungebrochen. Gründungsmitglied Jakob Jakober, der das Amt des Schriftführers innehatte, hielt regen Kontakt mit den Frontkameraden und informierte sie über das Geschehen des Vereins mit den "Heimatgrüßen". Auch wurden Heimaturlauber während ihres kurzen Aufenthalts im Vereinslokal begrüßt, um im kameradschaftlichen Kreis ein paar Stunden des Gedankenaustausches zu pflegen. 

Nach Kriegsende im Mai 1945 musste der Musikverein Söflingen eine traurige Bilanz aufstellen. Von den 250 Mitgliedern zu Beginn des Krieges verblieben zum Kriegsende noch 222. Von den insgesamt 87 Vereinsmitgliedern, die in den Krieg zogen, kehrten 15 aktive und sechs passive Mitglieder nicht mehr zurück. Außerdem verloren zwei Mädchen des Kinderchors und fünf passive Mitglieder bei den Bombenangriffen ihr Leben . Auch das Vereinslokal "zum Ochsen" war nur noch ein Trümmerhaufen. Mit ihm vernichtet wurden viele Musikinstrumente, der gesamte Notenbestand und wertvolle Pokale und Erinnerungsgaben.

Doch schon im August 1945 trafen sich die in der Heimat verbliebenen Aktiven und einige, die aus der Gefangenschaft bereits zurückgekehrt waren zur ersten Musikprobe. 14 Musiker waren es, die sich im "Lamm" einfanden. Eifrig wurde geprobt und bereits am Jahresende konnten nach einjähriger Pause die traditionellen Weihnachtsständchen bei kranken und älteren Mitbürgern wieder aufgenommen werden. Die Leitung hatte Andreas Jakober übernommen. 

Im Mai 1946 begann für den Musikverein eine neue Vereinsepoche. Für das Blasorchester konnte als Dirigent Stabsmusikmeister a.D. Emmo Mittmann gewonnen werden. Die Probenarbeit fand regelmäßig statt und Erfolge stellten sich bei Veranstaltungen und Feiern ein. Auch Ernst Schneider nahm 1947 mit dem Salonorchester die Probenarbeit wieder auf Andreas Jakober gründete als erster Vorsitzender im gleichen Jahr eine Zöglingsabteilung in der 12 - 15jährige Jugendliche aufgenommen wurden. Auch die Singgruppe unter Leitung von Karl Daur nahm ihre Singstunde als gemischter Chor, sowie einem Männerquartett, wieder auf. Bald erlangte der Musikverein Söflingen mit seinen Unterabteilungen den früheren Bekanntheitsgrad. 

Bei der Aktivitas häuften sich die Verpflichtungen. In bester Erinnerung sind die Auftritte im Städtischen Theater mit der Bühnenmusik bei verschiedenen Operetten. Die Teilnahme an Bezirksmusikfesten waren von Erfolg gekrönt, ebenso der Auftritt bei der Gründungsversammlung des "Bezirk 3 Donau" des "Süddeutschen Musikerverbandes". Nach wie vor waren die Aktiven in den folgenden Jahren bei internen und öffentlichen Veranstaltungen stark gefordert. Das 30jährige Jubiläum wurde 1950 mit einem Kameradschaftstreffen des "Bezirk 3 Donau" des "Süddeutschen Musikerverbandes" verbunden. Aus der Chronik ist zu entnehmen, dass die aktiven Vereinskräfte im Jubiläumsjahr allein bei 84 Anlässen ihre musikalischen Leistungen unter Beweis stellen konnten. 

Dass die Stadt Um mit ihren Bürgern ebenfalls am Bestehen des Musikvereins Nutzen hatte, bewiesen die Bürgerversammlungen, die Veranstaltungen der 1100-Jahrfeier, Schwörfeier, Nabada, Fischerstechen und viele andere Anlässe auch in den historischen Uniformen der Ulmer Stadtsoldaten. Im Jahr 1954 fanden sich auch Trommler und Pfeifer unter der Leitung von Ernst Fröhlich zusammen um den Spielmannszug wieder zu gründen. Diese Gründung erwies sich für den Verein als große Hilfe, ist doch der Spielmannszug bei allen Anlässen ein Farbtupfer und Garant für Verlässlichkeit. Im Jahre 1976 übernahm Paul Schneider die Leitung - seit 1986 Willy Haas die Stabführung des Spielmannszuges.

Ein neuer Zeitabschnitt in der Geschichte des Musikvereins begann 1957, als der musikalische Leiter Emmo Mittmann wieder ein Heeresmusikkorps bei der Bundeswehr übernahm. Mit dem Söflinger Komponisten und Dirigenten Paul Kühmstedt konnte das Blasorchester einen namhaften Nachfolger verpflichten. Paul Kühmstedt leitete das Orchester bis 1975. In diese Epoche fielen sehr viele Höhepunkte musikalischer Art. 1957 zählte der Verein 396 Mitglieder, welches den Höchststand in der bisherigen Vereinsgeschichte bedeutete. Die Streichmusik unter Ernst Schneider (Willi Neipp) war gut geschult und sehr erfolgreich. Auch die Singgruppe, die Karl Daur leitete, hatte einen Leistungsstand erreicht, welcher die Zuhörer immer wieder beeindruckte. 

Im Jahr 1957 fand auch die erste Begegnung der "Züricher Knabenmusik" mit dem Musikverein in Ulm-Söflingen statt. Im März 1958 veranstaltete der Bezirk Ulm-Donau des "Bundes süddeutscher Volksmusiker" in der Donauhalle in Ulm ein Blasmusikkonzert unter dem Motto: "Blasmusikkomponisten dirigieren eigene Werke". Es nahmen teil: Das Blasorchester des "Musikverein Söflingen" und der ""Harmonie-Lyra" (Paul Kühmstedt), die "Stadtkapelle Waldsee" (Alfons Meier-Böhme),), die "Stadtkapelle Ravensburg" (Prof Felix Husadel) und die "Stadtkapelle Tuttlingen" (Bundesmusikdirektor Gustav Lotterer). 

Der Leiter des Vereinsorchesters, Paul Kühmstedt, hatte mit seinen eigenen Musikwerken einen großen Erfolg zu verbuchen. Dieser Erfolg wiederholte sich anlässlich des Bundesmusikfestes in Ravensburg; mit der eigenen Komposition "Comedietta" erreichte Paul Kühmstedt mit seinen Musikern die höchste Punktzahl in der Kunststufe. Mit dem ersten Rang ausgezeichnet, durfte sich das Blasorchester zu den besten Orchestern des Landes zählen. Es kam daher nicht von ungefähr, dass der "Bund süddeutscher Volksmusiker" den Musikverein Söflingen zum deutschen Vertreter beim "Internationalen Musikfest" in Vichy / Frankreich bestimmte, welches im Jahre 1959 unter Beteiligung der hervorragendsten Kapellen aus 15 Ländern stattfand. Groß war der Erfolg dieser Wertung durch ein internationales Gremium: Das Blasorchester des Musikvereins Söflingen unter Paul Kühmstedt erhielt als würdiger Vertreter der deutschen Volksmusiker den ersten Preis der Nation Frankreich und den zweiten Rang im internationalen Wettbewerb. Damit hatte die Arbeit der engagierten Musiker und ihres Dirigenten die Krönung gefunden. Mit berechtigtem Stolz empfingen die Stadt Ulm, insbesondere die Vorstadt Söflingen, ihre Musiker mit ihrem tüchtigen Dirigenten Paul Kühmstedt. Noch lange klang dieser große internationale Erfolg in der Fachpresse und in Tageszeitungen nach. 

Im September 1958 erfolgte der erste Gegenbesuch des Musikvereins Söflingen in Zürich, wo die Beteiligten die großzügige Gastfreundschaft der Freunde innerhalb der "Knabemnusik Zürich" erfahren durften. Anfang der 60er Jahre löste sich bedauerlicherweise das Streichorchester (früher Salonorchester) auf. Im Jahr 1960 hatte der Verein wieder einen Höhepunkt. Es wurde mit Gästen der "Knabenmusik Zürich" und befreundeten Kapellen das 40jährige Vereinsjubiläum gefeiert.

Nach fast drei Jahrzehnten übergibt Andreas Jakober das Amt als erster Vorsitzender an Udo Botzenhart. Nach dem Vorbild der ""Knabenmusik Zürich" wird 1961 unter der Patenschaft des Musikverein Söflingen die "Ulmer Knabenmusik" gegründet. Dabei stellte der Patenverein auch eine Anzahl Musikinstrumente zur Verfügung. Den Vorsitz der Jugendmusik übernahm Udo Botzenhart, der als Initiator die Voraussetzungen zur Gründung schuf. Die musikalische Leitung wurde dem Leiter des Vereinsorchesters, Paul Kühmstedt, übertragen. Im Zusammenhang mit der Gründung der Ulmer Knabenmusik wurde der Name des Vereins in  

Musikverein Ulm - Söflingen - gegr. 1920
Stadtkapelle Ulm e. V.

umgewandelt. Ebenso wurde die Satzung neu gefasst, welche im Jahr 1963 in Kraft trat.

Im Jahre 1962 besuchte die holländische Kapelle aus Eygelshoven unsere Vorstadt, und das Blasorchester errang beim Bundesmusikfest in Ludwigsburg einen ersten Rang. Ins Vereinsjahr 1963 fällt dann der Gegenbesuch bei unseren holländischen Musikfreunden. Der Spielmannszug tritt dem "Bund Deutscher Spielmanns- und Fanfarenzüge" bei. Bei der 100-Jahrfeier der TSG Söflingen im Jahr 1964 war es selbstverständlich, sich an deren Jubiläumsveranstaltungen zu beteiligen.

Der Spielmannszug feierte im schlichten Rahmen sein zehnjähriges Bestehen. Er ist mit seiner Hilfsbereitschaft und der guten Kameradschaft im Vereinsgeschehen fest verankert. Das erste Konzert in welchem Aufnahmen durch den Südwestfunk gemacht wurden, fand 1966 in der Ulmer Keppler Turnhalle statt. Ein Großkonzert 1967 zu Gunsten eines Theaterneubaus veranstaltete der Musikverein erstmals zusammen mit der Ulmer Knabenmusik in der Donauhalle mit großem Erfolg. Die folgenden Jahre waren geprägt von ersprießlicher konzertanter Arbeit bei zahlreichen Veranstaltungen in Söflingen und Um, bei Musikfesten und Konzerten.

Im Jahre 1970 konnte der Verein sein 50jähriges Jubiläum feiern. Zu dieser Zeit bestand der Verein aus 100 aktiven und 229 fördernden Mitgliedern. Eine Jubiläumswoche war ausgefüllt mit eindrucksvollen und in der Öffentlichkeit vielbeachteten Musikveranstaltungen. Mitbegründer und Chronist Jakob Jakober stellte mit viel Sachkenntnis eine sehr beachtete und gut gestaltete Festschrift zusammen, die eine wertvolle Grundlage für den Rückblick auf das Wirken des Musikvereins Söflingen ist. 

Paul Kühmstedt führte das Blasorchester von Erfolg zu Erfolg. Er hat sich nicht nur als Dirigent von Rang, sondern auch als Komponist national und international einen guten Namen geschaffen. Zum Abschluss seiner fast 20-jährigen Dirigententätigkeit beim Musikverein konnte er mit seinen Musikern beim Bundesmusikfest 1974 in Ebingen einen ersten Rang mit Auszeichnung erringen.

Wolfgang Kraus, Fagottist im Orchester, übernahm für das Jahr 1976 die Leitung unseres Blasorchesters und übergab 1977 Hauptfeldwebel Josef DrixIer, dem neuen musikalischen Leiter, den Dirigentenstab. Herr DrixIer war auch Dirigent des Musikzuges der "Panzerbrigade 28" bei der Bundeswehr. Er verstand es von Anfang an, jugendliche Musiker für das Blasorchester und den Spielmannszug zu begeistern. Er begründete auch die zusammen mit dem Musikzug durchgeführten Wohltätigkeitskonzerte im Ulmer Kornhaus. Das Blasorchester hatte im Jahresdurchschnitt bei ca. 50 Veranstaltungen mitgewirkt, ebenso waren auch der Spielmannszug und die Singgruppe mit ihren Auftritten sehr gefragt.

Seit 1977 verfügt der Musikverein über einen eigenen Proberaum mit Nebenräumen im Dachgeschoss des Söflinger Forsthauses im Klosterhof, die in Eigenleistung und mit eigenen finanziellen Mitteln ausgebaut wurden.

Im Jubiläumsjahr 1980 wurde das 60jährige Bestehen in Verbindung mit dem zweiten großen Kreismusikfest im "Kreisverband Um Alb-Donau" des "Blasmusikverbandes Baden-Württemberg" gebührend gefeiert. Als Auftakt der Feierlichkeiten gab die Ulmer Knabenmusik unter Leitung von Norbert Nohe ein Konzert. Die Singgruppe des Musikvereins Söflingen fand begeisterte Zuhörer bei einem Konzert, wobei der Zither- und Harmonikaverein als Gäste mitwirkten. Im Rahmen der Festtage konnte auch der Spielmannszug sein 25-jähriges Bestehen nach der Wiedergründung feiern. Beim Wertungsspiel stellten sich 14 Vereine der Jury um ihre Leistungsfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die Jubiläumsveranstaltung fand bei der Bevölkerung großen Anklang. Der Musikverein hatte im Jubiläumsjahr 319 Mitglieder. Dem Blasorchester gehörten 43 Aktive an, der Spielmannszug hatte 20 Mitglieder und die Singgruppe vereinigte 26 Sängerinnen und Sänger. 

Zu den Wertungsspielen bereitete man sich in vielen Proben vor, so dass die Leistungen immer mit guten Ergebnissen belohnt wurden. Besondere Erwähnung gebührt dem Erreichen des ersten Ranges mit Belobigung in der Höchststufe beim Landesmusikfest in Tuttlingen im Jahr 1985. 

Zwei Konzertreisen nach Szeged / Ungarn, 1985 und 1988, wurden mit Herrn DrixIer zu einem großen Erfolg. Eine große Blasmusikparade in der Hans-Martin Schleyerhalle in Stuttgart im Jahr 1986 brachte dem Blasorchester, welches sich zusammen mit dem Spielmannszug einem Wettstreit stellte, in der Gunst des Publikums einen zweiten Platz ein. Beim Landesmusikfest 1990 in Aalen erreichte das Orchester in der Höchststufe einen ersten Rang. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Vereins war 1991 der Besuch der Ulmer Partnerschaftsstadt "New Ulm" im Staate Minnesota-USA, an den sich noch eine mehrtägige Reise durch verschiedene US-Staaten anschloss . Idealismus und Kameradschaft waren auch die Grundlage dafür, dass die Erfolge unter dem musikalischen Leiter Josef DrixIer bis ins Jahr 1992 erfolgreich fortgesetzt werden konnten. 

Im Oktober 1993 übergab Josef DrixIer den Dirigentenstab beim Paradekonzert in Ulm an Herrn Michael Eberhardt, Herr Eberhardt hat es in kurzer Zeit verstanden, die Jugend und auch die älteren Aktiven an die moderne Blasmusikliteratur heranzuführen. Die intensive Probenarbeit fand auch ihren Niederschlag beim Wertungsspiel im Jahr 1994 beim Bezirksmusikfest des "Allgäu Schwäbischen Musikerbundes" in Neu-Ulm, wo er mit seinen Musikerinnen und Musikern in der Höchststufe einen ersten Rang mit Auszeichnung erzielen konnte. Bei Konzerten in Ulm und im Umland ist die Stadtkapelle mit ihrem hohen musikalischen Niveau gern gesehen und gehört. Auch die Jugend Aus- und Weiterbildung liegt bei ihm in besten Händen. So war Herr Eberhardt Initiator zur Gründung einer Jugendkapelle, einer Big Band Besetzung und kleinen Blechbläserensembles für verschiedene Anlässe.

Mit einem Kameradschaftsabend, an dem die Vorstandschaft und Gäste teilnahmen, feierte der Spielmannszug 1994 im würdigen Rahmen sein 40jähriges Wiedergründungsjubiläum. Im Jubiläumsjahr 1995, zum 75-jährigen Jubiläum, zählt der Musikverein Söflingen 306 fördernde Mitglieder und 123 Aktive in den Abteilungen Blasorchester, Spielmannszug und Jugendkapelle.

Leider kann sich die Singgruppe aus Mangel an jüngeren Sängerinnen und Sänger in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit als Chor nicht mehr darstellen. Einige aktive Sängerinnen und Sänger haben sich daher mit Frau Margarete Laur anderen Gesangschören zugewandt um das Liedgut weiter zu pflegen. Durch diese Umstände verging eine lange Tradition des Chorgesanges in der Vereinsgeschichte. Es ist erfreulich, dass sich die altershalber ausgeschiedenen aktiven Mitglieder mit ihrem verdienten Chorleiter Karl Daur weiterhin regelmäßig am ehemaligen Probetag zur Pflege der Kameradschaft und zum Austausch von Erinnerungen zusammenfinden.

Ein besonderer Dank sei an dieser Stelle dem Mitbegründer unseres Vereins , dem heute 9 1 jährigen Jakob Jakober gewidmet. Jakob Jakober war neben seiner aktiven Zeit als Bläser und Sänger, jahrzehntelang Schriftführer und Chronist des Musikvereins Söflingen. Mit Fleiß, Pünktlichkeit und viel Sachverstand hat Jakob Jakober die Chronik über 50 Jahre aufgebaut und fortgeführt, die nun Grundlage dieser Festschrift ist. Nur wer sie gelesen hat kann ermessen, welche immense Arbeit und Zeit in diesem Werk steckt. 

Die Arbeit und der Einsatz von allen aktiven und passiven Mitgliedern, sowie der Vorstandschaft samt Gesamtausschuss kann in diesem kurzen Abriss der Vereinsgeschichte nicht gebührend genug gewürdigt werden.

75 Jahre Vereinsgeschehen bringen Höhen und Tiefen. Die Gründungszeit nach dem ersten Weltkrieg war geprägt von Inflation, Armut und Arbeitslosigkeit. Die dreißiger Jahre brachten weitere einschneidende Einschränkungen. Der zweite Weltkrieg, mit seinen verheerenden Nachwirkungen ließ das Vereinsleben weitgehendst erlöschen. So gesehen kann der Musikverein ""Ulm-Söflingen / Stadtkapelle Ulm" in seiner heutigen Präsenz stolz auf die Bewältigung der Vergangenheit und das seither Erreichte sein.

Musik ist menschen- und völkerverbindend. Idealismus und Zusammenhalt der Musizierenden werden auch künftig dem Verein einen erfolgreichen Weg bereiten. 

Erwin Blätz - Reinhold Höld (1994)